Deutscher Werkbund Berlin

Der Deutsche Werkbund Berlin wurde 1949 ins Leben gerufen. Die Bestrebungen des Berliner Werkbundes galten und gelten der humanen Gestaltung der Umwelt – von den Dingen des täglichen Gebrauchs über das Wohnen, die Stadt, das Land bis zur Sicherung der biologischen Lebensgrundlagen. Sein Ziel ist die Intensivierung des Verantwortungsbewusstseins des einzelnen für die soziale und kulturelle Entwicklung und mit ihr die Förderung der Qualität. Schon die ersten Vorsitzenden Heinrich Tessenow, Walter Rossow und Julius Posener hatten die Notwendigkeit für engagiertes Handeln erkannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg galten alle Anstrengungen dem Wiederaufbau. Werkbundmitglieder wie Max Taut, Hans Scharoun, Wils Ebert, die Brüder Luckhardt, Hubert Hoffmann, Paul Baumgarten, Eduard Ludwig und Walter Rossow griffen zu Beginn der 50er Jahre erneut die Idee einer Bauausstellung auf. Auf der Grundlage des Wiederaufbauwettbewerbs von 1953 wurde das Hansaviertel zum Ort einer internationalen Bauausstellung. Die ‚Interbau‘ von 1957 setzte architektonische und städtebauliche Maßstäbe und propagierte die ‚Stadt von morgen‘. Sie wurde von Bundespräsident Theodor Heuss eröffnet, der bereits 1952 die Gründung des Rates für Formgebung initiierte.

Die Einrichtung der Berliner Wohnberatung unter der Leitung von Charlotte Eiermann Anfang der 60er Jahre ist ein frühes Beispiel der Verbraucherberatung. Innenstadtsanierung und fortdauernde Wohnungsnot führten zum Bau von Großsiedlungen. An den Planungen für das Märkische Viertel und die Gropiusstadt Britz, Buckow, Rudow waren zahlreiche Werkbundmitglieder beteiligt. Kritik und Weiterentwicklung der Großsiedlungen bleiben bis heute ein Thema – aktuell in Zusammenhang mit der Schrumpfungs-Debatte. Die Wiederbelebung der ‚Innenstadt als Wohnort‘ und die Reaktion auf Fehlentwicklungen wie die ‚Kahlschlagsanierung‘ mobilisierte viele Werkbundmitglieder, die sich auch an der Internationalen Bauausstellung 1987 sachlich und fachlich beteiligten. Um die Probleme der Stadtvereinigung und Stadtentwicklung zu lösen, wurde Anfang der 90er Jahre unter Mitwirkung des Werkbundes das Stadtforum Berlin gegründet.

Neben der Einmischung in aktuelle stadtentwicklungspolitische Fragen rückten zunehmend
Themen des Erinnern und Bewahrens und die mit ihnen verknüpften gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Probleme in den Vordergrund der Werkbundarbeit. Aus dem Kreis des Werkbundes ist 1985 die Initiative zum Umgang mit dem Gestapo-Gelände entstanden, die die Gründung der Stiftung Topographie des Terrors betrieb. Die Bewahrung wertvoller Bausubstanz war ein Thema, das in engagierter Weise Julius Posener besetzte. Er beteiligte sich auch 1988 an dem vom Werkbund gegründeten Ludwig-Hoffmann-Seminar zum Erhalt des Rudolf-Virchow-Krankenhauses. Für diese Initiative wurde der Berliner Werkbund mit dem Kritikerpreis der Akademie der Künste ausgezeichnet.

Klassische Themen des Werkbundes ‚vom Sofakissen bis zum Städtebau‘ sind zentrale
Aufgaben geblieben. Veranstaltungen zu ökologischen Fragen mit Hans Peter Dürr, Otto Schily und Ernst Ulrich von Weizsäcker, zu Fragen der Arbeitsgesellschaft mit Hermann
Glaser und in diesem Zusammenhang der Blick auf das ‚Büro der Zukunft‘ als gemeinsames Projekt zwischen Werkbund und Industrie- und Handelskammer 1996, schließlich
die Tagung zum 90-jährigen Jubiläum des Deutschen Werkbundes 1997 ‚Von der Bonner zur Berliner Republik – Öffentlichkeit und Öffentlicher Raum in Berlin‘ verdeutlichen das breite Spektrum an Themen und Arbeitsfelder.

Der Umgang mit der Nachkriegsmoderne in Berlin ist ein Thema, mit dem sich der Werkbund in den letzten Jahren in besonderem Maße auseinandergesetzt hat. Mit der Ausstellung ‚Wiederentdeckt – Wiederbesucht:Vorbildliches im Berliner Stadtbild‘ wurde 2002 in der Werkbund-Galerie ein erster Akzent gesetzt. Diese Ausstellung bezog sich ausschließlich auf den Westteil der Stadt. Für den Ostteil Berlins fehlte bisher eine entsprechende Bestandsaufnahme, die die Vielfalt des modernen Bauens ebenso berücksichtigt wie die Umstände der Entstehung. Mit der Wanderausstellung und dem Begleitbuch ‚Ostmoderne – Architektur in Berlin 1945 – 1965‘ hat der Werkbund eine Lücke in der Baugeschichte Berlins geschlossen und zudem einen Beitrag zur politischen Bildung und Baukultur auch außerhalb Berlins geleistet. Die Eröffnung fand im Mai 2004 in der Humboldt-Universität Berlin statt, seither hat die Ausstellung zahlreiche Stationen durchwandert.

Anlässlich des 125. Geburtstages von Bruno Taut widmete der Berliner Werkbund seinem frühen Mitglied 2005 die Ausstellung ‚BrunoTaut – Meister des farbigen Bauens in Berlin‘ und ein Begleitbuch. Bruno Taut war Architekt, Stadtplaner, Designer, Sozialreformer und vor allem Künstler. Intellekt und Gefühl spiegeln sich in seinen Siedlungsbauten der 20er Jahre in Berlin und verleihen ihnen einen einzigartigen Charakter. Diese Bauten wurden in der Ausstellung erstmalig systematisch zusammengefasst. Mit sparsamen Mitteln, sorgfältigen Details und der Einbeziehung von Außenwohnräumen hat Bruno Taut die Wohn- und Lebensräume reformiert. Die Qualität der Architektur von Bruno Taut liegt nicht zuletzt in ihrer expressiven Farbigkeit, die ein Markenzeichen seines Werkes geworden ist. Seit 2005 wandert die Ausstellung durch europäische Goethe-Institute. Der Berliner Werkbund unterstützte damit das Anliegen des Landesdenmalamtes, vier Wohnsiedlungen von Bruno Taut in die Weltkulturerbeliste 2007 aufzunehmen, was zwischenzeitlich erfolgte.

2005 hat der Werkbund Berlin die Ausstellung- und Publikationssreihe „Projekte für Berlin“ ins Leben gerufen,  wonach jeweils drei Werkbundmitglieder Projekte zu einem gemeinsamen Thema vorstellen und diskutieren.  Zum 100-jährige Werkbund-Jubiläum 2007 wurde die Veranstaltung „Form und Norm“ beim Deutschen Din-Institut veranstaltet, hier ging es um die Frage: engen Normen den Gestaltungsprozess ein, oder beflügeln sie den Gestalter? Ausgangspunkt war der als Typenstreit in die Werkbundgeschichte eingegangebe Konflikt zwischen Hermann Muthesius und Henry van de Velde während der großen Werkbundausstellung 1914 in Köln. Eine große Ausstellung des Gesamtwerkbundes wurde in der Akademie der Künste gezeigt.

Mit dem Umbau der Werkbund Galerie in der Goethestraße und einem neuen grafischen Erscheinungsbild hat der Werkbund 2010 einen Erneuerungsprozess in Gang gesetzt. Ausstellungen und Diskussionen in der Galerie sollen das Profil schärfen und den Werkbund revitalisieren. Kulturpolitische Fragen werden zugespitzt und kontrovers mit Fachöffentlichkeit und politisch Verantwortlichen erörtert. Die Galerie ist nicht nur für Mitglieder ein Forum, ein zentrales Anliegen ist es auch, Hochschulen/Universitäten und  Studenten eine Plattform zum regen Austausch zu geben.